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Du hungerst noch immer?" fragte der Aufseher, "wann wirst du denn endlich aufhören?"
"Verzeiht mir alle" flüsterte der Hungerkünstler;
nur der Aufseher, der das Ohr ans Gitter hielt, verstand ihn.
"Gewiss", sagte der Aufseher und legte den Finger an die Stirn, um damit den Zustand des Hungerkünstlers dem Personal anzudeuten, "wir verzeihen dir.""
Immerfort wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert", sagte der Hungerkünstler.
"Wir bewundern es auch", sagte der Aufseher entgegenkommend.
"Ihr sollt es aber nicht bewundern", sagte der Hungerkünstler.
"Nun, dann bewundern wir es also nicht", sagte der Aufseher, "warum sollen wir es denn nicht bewundern?"
"Weil ich hungern muss, ich kann nicht anders", sagte der Hungerkünstler.
"Da sieh mal einer", sagte der Aufseher, "warum kannst du nicht anders?"
"Weil ich", sagte der Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein wenig und sprach mit wie zum Kuss gespitzten Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verloren ginge, "weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt, hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle."
Das waren die letzten Worte, aber noch in seinen gebrochenen Augen war die feste, wenn auch nicht mehr stolze Überzeugung, dass er weiterhungre.

(Franz Kafka, 1924, Ein Hungerkünstler)

2.6.08 19:47
 


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